© 2019 FTS Consulting AG   –   designed by FTS Consulting AG

Aspekte Firmenverkauf: 3 wichtige Elemente beim Kaufpreis  

Bei der Bewertung von Unternehmen kommt es oftmals zu erheblichen Diskrepanzen hinsichtlich unterschiedlicher Bewertungsmethoden und resultierender Unternehmenswerten. Gerne schaffen wir Transparenz und weisen Sie nachfolgend auf drei wichtige Aspekte bei Firmenbewertungen und dem entsprechenden möglichen Transaktionspreis hin.

Unternehmensbewertungen – eine unexakte Wissenschaft?

Wenn ich drei verschiedene Unternehmensbewertungen einhole, dann resultieren drei unterschiedliche Werte. Ist dem wirklich so?

Es kann durchaus vorkommen, dass verschiedene Experten bei einer mehrfachen Mandatsvergabe einer Bewertung zu unterschiedlichen Resultaten gelangen. Dies ist insbesondre dann der Fall, wenn eine Bewertung mit theoretischen Ansätzen, statt mit dem erforderlichen Fachwissen, plausibilisiert wird. So kommen bei der Berechnung zwar üblicherweise die gleichen Methoden zum Einsatz und diese resultieren mit mathematischem Geschick auch in korrekten Teilergebnissen, alleine reicht dies jedoch nicht aus, einen praxisnahen und realistischen Wert zu bestimmen. Eine Unternehmensbewertung ist nur dann aussagekräftig, wenn sie anhand aktueller Marktgegebenheiten und erprobter Transaktionsmultiples plausibilisiert wird. Leider verwenden die meisten Bewertungsexperten zur Bewertung von Schweizer KMU falsche oder ungünstige Transaktionsmultiples, nämlich jene, die bei der Bewertung von Grossunternehmen zum Einsatz kommen. Ein solches Vorgehen widerspiegelt keine marktnahe Bewertung. Wird eine Unternehmensbewertung indessen durch erfahrene Experten mit praktischem Transaktionswissen aus der KMU-Welt ausgearbeitet, so entstehen unserer Erfahrung nach nur kleinere Abweichungen, die jedoch meist vernachlässigbar sind.

Qualitative Faktoren bei einer Firmenbewertung miteinbeziehen

Verkäufer und Käufer akzeptieren die hinsichtlich eines Verkaufs erstellte Unternehmensbewertung; auch die Preisverhandlung ist bereits durch - was kann da noch schief gehen?

Sowohl Käufer als auch Verkäufer verlassen sich bei der Festlegung eines fairen Verkaufspreises meist auf eine professionell durchgeführte Unternehmensbewertung. Doch damit ist der Deal erfahrungsgemäss noch lange nicht in trockenen Tüchern. Auch bei preislicher Einigkeit kommt es in den meisten Fällen zu weiteren Stolpersteinen, die zum jähen Abbruch der Verhandlungen führen können. Käufer begründen ihren plötzlichen Rückzug häufig mit qualitativen Gründen wie einer zu hohen Inhaberabhängigkeit, mangelhaften Zukunftsperspektiven oder mit zu ausgeprägten operativen Risiken.

 

Es ist durchaus bemerkenswert, dass klassische Unternehmensbewertungen diese Faktoren ausblenden und somit den Beurteilungsprozess seitens Käufer erschweren bzw. werden diese üblicherweise erst im Rahmen einer Due Diligence durch die Käuferseite geprüft. Eine Bewertung mit geeigneten qualitativen Bewertungsmethoden könnte indessen diese Transparenz bereits frühzeitig herstellen, wobei der Verkäufer etwaige Schwachstellen bereits vor dem Verkauf ausmerzen könnte. In der Praxis führt dieses proaktive Verhalten des Verkäufers nicht selten zu deutlich höheren Verkaufspreisen. Es gilt, Finanzzahlen sind wichtig und bilden die Grundlage einer jeden Kaufentscheidung – es sind jedoch meist qualitative Faktoren, die über das endgültige Gelingen einer Unternehmenstransaktion entscheiden.

Diskrepanz zwischen Buy- und Sell-Side Bewertung?

Eine Unternehmensbewertung ist doch neutral! Es darf keine Rolle spielen, welche Partei diese in Auftrag gibt. Oder existiert etwa doch eine Diskrepanz zwischen Buy- und Sell-Side Bewertung?

Während bei grösseren Transaktionen oftmals beide Parteien d.h. Verkäufer- wie auch Käuferseite eine Unternehmensbewertung durchführen, wird bei Transaktionen im KMU und insbesondere im Bereich von Mikrounternehmungen (vgl. < 10 Mitarbeitenden) meist eine einseitige Drittbewertung (entweder von der Verkäufer- oder der Käuferseite in Auftrag gegeben) zur ersten Preisfindung verwendet. Obwohl die Analysten zur Bewertung der Unternehmen die gleichen Methoden anwenden – egal von welcher Seite die Beauftragung stammt - lassen sich in der Bewertung überraschenderweise doch Unterschiede finden. So zeigten beispielsweise empirische Analysen von Groysberg, Healy & Chapman (2008), dass sich signifikante Unterschiede von Gewinnprognosen zwischen Verkäufer- und Käuferseite wiederfinden. So seien die Prognosen der käuferseitigen Berater oftmals weniger akkurat, was u.a. auf unterschiedliche Interessen, Kompensationsmodelle, Informationsunterschiede sowie auf kognitive Verzerrungen zurückzuführen sei. Da sich solche Gewinnprognosen ebenfalls auf den Firmenwert innerhalb diverser Methoden der Unternehmensbewertungen (vgl. Discounted Cashflow) ausschlagen, ist es nicht verwunderlich, dass Firmenwerte bei Unternehmenstransaktionen ebenfalls von der Seite beeinflusst werden, von welcher die Unternehmensbewertung vorgenommen wird. So könnte es grundsätzlich vorkommen, dass Bewertungen von Beratern der Käuferseite tiefer ausfallen, um entsprechende Vorteile (vgl. tiefere Transaktionspreis) bei der Kaufpreisverhandlung auszuhandeln. So empfiehlt es sich als Eigentümer, mit einer eigenen professionellen Unternehmensbewertung in das Verkaufsgespräch einzusteigen, so dass das Risiko einer Benachteiligung minimiert werden kann.

Quelle: Groysberg, B., Healy, P., & Chapman, C. (2008). Buy-Side vs. Sell-Side Analysts' Earnings Forecasts. Financial Analysts Journal, 64(4), 25-39. Retrieved from http://www.jstor.org/stable/40390140