Finanzierungsart - das Mezzanine-Kapital

Immer öfters fällt heutzutage, vor allem in der Start-Up Branche, der Begriff des «Mezzanine-Kapitals». Hierbei handelt es sich um eine Form der Unternehmensfinanzierung, die rechtlich und betriebswirtschaftlich Züge einer Eigen- wie auch Fremdfinanzierung aufweist – ergo eine Mischform.

Durch den linguistischen Hintergrund des Begriffs ist dies leicht zu erkennen, da das Wort Mezzanin aus der Architektur der Epoche der italienischen Renaissance stammt und für Zwischengeschoss beziehungsweise Zwischenetage steht [1]. 

 

Fragen, die über diese Kapitalquelle in der Praxis besonders häufig aufkommen sind: Wozu lässt sich diese Finanzierungsform verwenden? Für welche Art von Unternehmen lohnt sich solch eine Finanzierung? Und wie kann dieses Kapital im unternehmerischen Alltag zur Anwendung kommen?

Um dies zu verstehen, wird zunächst ein Grundwissen über die Arten des Mezzanine-Kapitals benötigt. Dieses lässt sich grundsätzlich in zwei Formen unterteilen:

Zum einen existiert Mezzanine-Kapital in der Form des partiarischen Darlehens. Ein Unternehmenskredit mit der Besonderheit, dass die Vergütung des Geldgebers nicht bei einem Grundzins verbleibt, sondern mit einer allfälligen Erfolgsbeteiligung komplementiert wird [2].

Die zweite zentrale Form dieses Kapitals ist die sogenannte Wandelanleihe. Dabei behält sich die kapitalgebende Partei das Recht vor, unter bestimmten Konditionen und Ereignissen die Schuld in Firmenanteile des Darlehensnehmers umzuwandeln.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass diese Art der Finanzierung aus unternehmerischer Sicht in jenen Fällen sinnvoll ist, in denen die Ertragsentwicklung der nächsten Geschäftsjahre schwer abzusehen ist. Beim Mezzanine-Kapital in der Form des partiarischen Darlehens hat der Firmeninhaber den Kapitalgeber nämlich oftmals erst im Falle von signifikant positiven Unternehmensentwicklungen (meist abhängig von Umsatz oder Gewinn) zu vergüten. Der Grundzins fällt indessen in der Regel meist relativ niedrig aus. Für die Unabsehbarkeit in der Rückzahlung wird der Darlehensgeber daher mit einer Erfolgsbeteiligung vergütet. Die Parallele zwischen dem partiarischen Darlehen und der Eigenkapitalfinanzierung ist also die erfolgsabhängige, variable Vergütung auf das eingebrachte Kapital. Aus kapitalgebender Sicht hingegen ist diese Form des Anleihenkaufs bei Firmen mit hohem mittel- bis langfristigem Potenzial zu empfehlen. Im Falle des grossen Erfolgs bliebe man während der gesamten Vertragsdauer nämlich (meist prozentual) am Gewinn beteiligt. Somit ist die potentielle Rendite grundsätzlich frei von Grenzen [1;2].

 

Für Wandelanleihen sind die Kriterien aus Sicht der kapitalgebenden Partei weitgehend identisch. Für den Fall der Wandelung der Schuld möchte der Gläubiger selbstverständlich an einem möglichst erfolgreichen Unternehmen beteiligt sein. Als Miteigentümer bekäme die möglichst grosse Wertsteigerung der Beteiligung und dessen leichte Verkäuflichkeit selbstverständlich zum zentralen Interesse des Gläubigers. Für die Eventualität der Wandelung des Darlehens strebt der Kreditgeber eine optimale Anlage des Kapitals an. Aus Sicht des Kapitalsuchenden sind folgende Chancen und Risiken in Betracht zu ziehen. Durch die Option auf Wandelung wird dem Kreditgeber eine zusätzliche Chance und auch Sicherheiten übermittelt, dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Gewährung des Darlehens. Findet sich in einer Lage des dringlichen Kapitalbedarfs also keine Lösung, kann es eine gute Option sein, auf eine Form des Mezzanine-Kapitals zurückzugreifen. Doch dieses Kapital kommt mit einem elementaren Nachteil: das Risiko des Kontrollverlusts (partiell oder gänzlich). Zwischen der Partei der geschäftsführenden Inhaber und der des neuen Miteigentümers besteht nämlich eine asymmetrische Verteilung des Know-hows. Durch den jahrelangen operativen Betrieb des Unternehmens (durch die Partei der geschäftsführenden Inhaber) ereignet es sich oft, dass der entscheidungstechnische Input des neuen Miteigentümers qualitativ von dem der «alten» Inhaber abweicht. Durch diesen kontraproduktiven Verlust an Mitspracherecht verschlechtert sich die Qualität des unternehmerischen Entscheidungsprozesses nicht selten. Dies kann in der Geschäftsentwicklung bereits kurzfristig spürbar werden. Daher empfiehlt es sich, bei der Suche nach dem passenden Darlehensgeber auch auf dessen Branchen- und Fachkompetenz zu achten und das Auswahlverfahren nicht auf die monetären Konditionen zu beschränken [2].

Aufgrund seiner hohen Involvierung und seines bedeutenden Einflusses bekommt der Darlehensgeber beim Mezzanine-Kapital im Allgemeinen, verglichen mit traditionellem Fremdkapital, einen ganz neuen Stellenwert. Wichtig zu nennen ist zudem, dass Mezzanine Kapitalgeber rechtlich gesehen nachrangig gegenüber Fremdkapitalgebern und vorrangig gegenüber Eigenkapitalgebern behandelt werden [3].

Quellen:

[1] Vgl. Meyer, A (2019). Mezzanine-Kapital Definition.

Abgerufen am 12.04.2020 von https://info.swisspeers.ch/mezzanine-kapital?gclid=EAIaIQobChMI0Z2a8dm65wIVi7TtCh3ViwQJEAAYAiAAEgLjBPD_BwE

[2] Vgl. Zürcher Kantonalbank (2020). Mezzanine-Kapital. Abgerufen am 12.04.2020 von https://www.zkb.ch/de/un/fk/gruendung-nachfolge/gruendung0/mezzanine-kapital

[3] Vgl. KMU.admin.ch (2020). Mezzanine-Kapital für KMU.

Abgerufen am 12.04.2020 von https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/finanzielles/finanzierung/mezzanine-finanzierung.html

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